DAS THEMA: Treffen des Marburger Lachclubs am Weltlachtag

Marburg. Die 1995 von dem indischen Mediziner Dr. Madan Kataria ins Leben gerufene Lachyoga-Bewegung hat mittlerweile weltweit viele Anhänger gefunden (siehe die Seite http://www.hoho-haha.de). Den ersten Sonntag im Mai hat Kataria zum Weltlachtag erklärt.
In seinem Buch „Lachen ohne Grund" (Verlag Via Nova) hat er seine Philosophie dargelegt. Auch die Schauspielerin Barbara Rütting ist übrigens vom Lach-Virus angesteckt und wirbt dafür in einem Buch.
In mehreren deutschen Städten wie in Frankfurt oder Freiburg existieren mittlerweile Lachclubs, in denen das gemeinsame Lachen gepflegt wird. Gestern wurde der Weltlachtag vom Marburger Lachclub erstmals auch in Marburg begangen. Die OP besuchte die Lachstunde des Lachclubs im Institut für Lebenskunst (ILK) in der Alten Mensa, zu der sich zahlreiche Interessierte eingefunden hatten. Zwischen 11 Uhr und 12 Uhr hieß es: Lachen ist ausdrücklich erlaubt.

Ho Ho Ha Ha Ha“: Gemeinsames
Lachen erweckt Freude am Augenblick

Eine Stunde lang leitete Karin Kirchhain vom Marburger Lachclub in der Alten Mensa zum Lachen an

80 im vereinten Lachtaumel emporgereckte Arme weisen zur Glaskuppel des großen Saales im „Institut für Lebenskunst" in der Alten Mensa. „Huuuuuhuuuuhuuuuhhhh, Hohohohoho, Hihihihi, Hahahahaha": Mit einer Mischung aus wildem Wolfsgeheul, albernem Gelächter und befreitem Lachen bewegen sich 40 Männer und Frauen aufeinander zu, wobei sie einen immer engeren Kreis formen und wie bei der „La Ola"-Welle im Stadion die Arme hochreißen. „Lasst uns ein gemeinsames Lachen über ganz Marburg schicken", stimmt Lachtrainerin Karin Kirchhain die Teilnehmer ein.
Als sich alle in einem lachenden Knäuel im Mittelpunkt des Raumes befinden, sagt Karin Kirchhain: „Stellt Euch vor: Wir bilden jetzt Marburgs größten Lachsack". Auch die Neulinge, die zu Beginn der Lachstunde 20 Minuten zuvor beim gemeinsamen „Ho Ho Ha Ha Ha"-Klatschen eher betreten schauten, haben sich jetzt freigelacht.

Lachen macht glücklich

Eine befreiende Wirkung soll das gemeinsame Lachen haben und ebenso auf eine Stimulation der körperlichen Fitness hinwirken. „Eine Minute Lachen ist wie zehn Minuten Joggen", sagt Karin Kirchhain im Gespräch mit der OP . Das Lachen sei gut für die Atmung, aktiviere die Muskulatur und setze Glückshormone frei. „Wer lacht, denkt nicht", ergänzt die Lachtrainerin, die sich zur Feier des Weltlachtages eine knallrote Krawatte mit gelben Smiley-Köpfen umgebunden hat.
Seit dem Sommer 2002 existiert der Marburger Lachclub, den sie zusammen mit Anette Distel ins Leben gerufen hat. Zwischen 8 und 15 Teilnehmer kommen alle 14 Tage zu den Treffen: Gestern waren es wegen der Presse-Ankündigungen anlässlich des Weltlachtages rund 40 Interessierte. „Manche Neulinge kommen aber leider nur einmal, weil sie Angst haben, sich lächerlich zu machen", bedauert Anette Distel.
Auch Frank Winterstein, einer der wenigen Männer mit Spaß am Lachen im Club, fand die Idee der Lachtreffen am Anfang nach eigenem Eingeständnis „bescheuert". Doch mittlerweile kommt er gerne zu den Zusammenkünften. „Es ist toll zu wissen, dass es bei Jedem funktioniert", sagt er. Auch er selber habe mehrfach die Erfahrung gemacht, dass er „einfach losgelassen" habe. „Das echte Lachen aktivieren": Dies ist auch das entscheidende Ziel der Lachbewegung, wie es Karin Kirchhain formuliert.
Aber Lachen auf Kommando: Geht das überhaupt? Die OP macht die Probe aufs Exempel und lässt sich vor der Lachstunde von Frank Winterstein und Karin Kirchhain das Löwen-Lachen vorspielen, eine der von dem indischen Mediziner und Lach-Guru Dr. Madan Kataria empfohlenen Lacharten. Die beiden stellen sich Auge in Auge in Positur, recken die Arme wie Tatzen nach vorne und geben lautes Löwengebrüll von sich - mit einem durchaus ansteckenden Lachen gemischt. Gut gebrüllt, ihr „Löwen!
Später in der Lachstunde nimmt Karin Kirchhain das Thema „Tierlachen" wieder auf. „Welches Tier kann am besten lachen?" fragt sie in die Runde. Frank Winterstein tritt ein wenig vor, kitzelt sich unter den Achseln und macht sich lachend zum Affen, was vom Rest der Gruppe sogleich imitiert wird. Danach „flattern" mit rudernden Armbewegungen 40 kreischende und lachende „Möwen" durch den Saal.

Auflockerung durch Grußritual

„Das war das Schönste, wann kann man sonst schon einmal wie eine Möwe kreischen", freut sich Ilse Römer, die das erste Mal an einem Treffen des Lachclubs teilgenommen hat. Es habe ihr sehr viel Spaß gemacht, und die anfängliche Skepsis sei schnell verflogen, erzählt sie.
Dazu beigetragen haben sicher auch die Auflockerungsspiele: Sich ein möglichst blödsinniges „tasmanisches Begrüßungsritual" ausdenken und anschließend vorführen; Rücken an Rücken stehend das „Lachen im Rücken spüren". Oder sich vorstellen, in einer Ecke des Saales befände sich der Oberstadt-Aufzug, und dort müssten sich alle hineinquetschen und dabei nicht die gute Laune verlieren.
Und was soll das alles? „In der Gruppe kann sich eine wunderbare Albernheit entwickeln, die das schon lang vergessene Gefühl der Leichtigkeit und kindlichen Freude am Augenblick und am heiteren Sein wiederaufleben lässt", schreibt die Lachtrainerin Karin Kirchhain in einer Info-Broschüre.
Um dieses Gefühl, einmal unvernünftig zu sein, auch öffentlich auszuleben, macht sich der „harte Kern" des Lachclubs am Ende der Lachstunde noch zum nahe gelegenen Marktplatz auf. Unter den leicht irritierten, bisweilen auch amüsierten Blicken der Passanten probt die Schar von rund 15 Lachfreunden den höheren Blödsinn wie das gemeinsame Absingen eines „Miau-Liedes" oder das Kichern in der Gruppe. Schließlich ist Weltlachtag. Aber ein wenig Befangenheit macht sich jetzt auch bei den besten „Lachtauben" des Clubs breit. Trotzdem wirkt die Lust am Lachen weiter. Auf dem Nachhauseweg läuft dem Berichterstatter zufällig noch eine Teilnehmerinder Lachstunde über den Weg, die zum ersten Mal mitgemacht hat. „Jetzt habe ich mich doch dabei ertappt, dass ich über die Schaufensterpuppen in einem Modegeschäft gelacht habe", berichtet sie schmunzelnd.

STICHWORT: Lachyoga

Der „harte Kern" des Marburger Lachclubs besteht aus rund 10 Personen. Die Gruppe, die sich jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat trifft, ist aber offen für Neulinge (Information: Jörg Schlimmermann, Telefon 064211924226). Mitgründerin Karin Kirchhain ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat im vergangenen Jahr einen Kurs bei dem indischen Lach-Mediziner Dr. Madan Kataria absolviert, als dieser ein Seminar in Deutschland abhielt.
Karin Kirchhain bietet auch Lachyoga-Kurse bei den Volkshochschulen von Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf an.
Als eine Art dynamischer Meditation bezeichnet die Lachtrainerin die Lachyoga. „Beim Lachen findet allerdings kein bewusster Gedankenprozess statt. Die Sinne verbinden sich auf natürliche und mühelose Weise zu einem Gefühl der Harmonie", ergänzt sie, und weiter: „Lachen ist eine der schönsten, preisgünstigsten und am leichtesten zu praktizierenden Gegenmaßnahmen bei Stress und Verspannung." In Indien hat Lachyoga bereits den Charakter einer Massenbewegung erhalten. So gibt es in den großen Städten wie Bombay teilweise Treffen, auf denen Tausende von Menschen gemeinsam lachen. Auch in indischen Betrieben hat Dr. Kataria bereits Seminare und Lachstunden abgehalten. Der indische Arzt sieht seine Lach-Bewegung als eine gemeinsame Bewegung für mehr Fröhlichkeit im Alltag, aber auch für Frieden auf der Welt.